Der Autor

John E. Brito studierte Kommunikationswissenschaften, Architektur und Kunstgeschichte und war als Lektor an der Universität Wien tätig. Während und nach dem Studium schrieb er Science-Fiction-Drehbücher und half bei verschiedenen Independent-Film-Produktionen mit.

Er macht Zeichentrickfilme für die Werbung und arbeitet als Illustrator und Storyboard-Zeichner für diverse Filmproduktionen. Er dreht in seiner Freizeit Kurzfilme und schreibt Kindergeschichten. Wie sein erstes Kinderbuch, “Das Dorf unter dem Fußboden” entstanden ist, kann man auf seinem Blog nachlesen.

John E. Brito lebt und arbeitet in Österreich.

Im Interview unten erfährst du Interessantes zur Entstehung seines Kinderbuches “Das Dorf unter dem Fußboden”:

Interview

Hallo John, kannst du uns etwas über dich erzählen?

Gerne. Ich lebe in Österreich und mache Zeichentrickfilme für die Werbung.

Du hast das Kinderbuch „Das Dorf unter dem Fußboden“ herausgebracht. Kannst du uns etwas über die Geschichte erzählen?

Unter dem Fußboden einer Menschenfamilie liegt ein Dorf, welches von friedfertigen, kleinen Wesen bevölkert ist. Keines von ihnen ist größer als ein halber Bleistift. Sie haben Ihre Häuschen aus Materialien erbaut, welche die Menschen achtlos weggeworfen haben. Sie sind sehr geschickt darin, unbrauchbare Dinge des alltäglichen Lebens auf eine neue Weise zu verwenden. So haben sie beispielsweise einen alten Kochtopf in ein kleines Haus verwandelt und Kochlöffel dienen als Steher für Holzstege.

Eines Tages wird das Dorf von habgierigen, echsenartigen Kreaturen bedroht. Beim ersten Mal können die Dorfbewohner die bösartigen Angreifer gerade noch abwehren. Die Echsenwesen werden aber wiederkommen – und zwar in großer Zahl. Leto, ein noch nicht ausgewachsener Kobold, meldet sich, um in der gefährlichen Welt dort draußen, außerhalb des Gartenzauns, nach einem Volk zu suchen, das ihnen in ihrer Not beistehen könnte. Er trifft dabei auf viele sonderbare Wesen, gefährliche wie gute, und die Reise verläuft leider anders, als er es erwartet hatte.

„Das Dorf unter dem Fußboden“ ist also eine Abenteuer-Geschichte? Was hat dich zum Schreiben dieses Buches inspiriert?

Ich saß in einem Restaurant und wartete auf das Essen. Ich unterhielt mich gerade mit meiner Freundin, als mein Blick auf eine kleine Gruppe winziger Häuschen viel. Sie waren Teil der Deko des und aus Rundhölzern gefertigt, von denen jedes Holzstück nicht dicker war als ein Bleistift. Die Wände, Türöffnungen, Fenster, sogar die Dächer waren aus dem selben Holz geschnitzt. Die Häuschen glichen winzigen Bungalows, die über Stege mit kleinen Geländern miteinander verbunden waren. Zwischen den Häuschen wuchsen kleine Pflanzen, welche ebenfalls aus Holz geschnitzt waren.

Ich hatte wirklich Mühe, der Unterhaltung mit meiner damaligen Freundin zu folgen. Ich fragte mich ständig: Wie wäre es, wenn ich in diese kleinen Hütten hineingehen könnte? Wie würde der Raum unter diesem Dach wirken? Wie wäre der Blick aus diesem Fenster? Wie würde es sich anfühlen, über diesen Steg zu gehen und in dieses Boot neben dem Bungalow dort drüben zu steigen?

„Du hörst mir gar nicht zu!“ hörte ich plötzlich. „Doch, doch…,“ antwortete ich und versuchte meiner Freundin wiederzugeben, was sie mir kurz zuvor gesagt hatte. Währenddessen fiel mir auf, dass niemand diese kleinen Kunstwerke, von denen es mehrere in diesem Restaurant gab, beachtete. Und während wir uns weiter unterhielten, fragte ich mich, wie es wohl wäre, so klein zu sein, dass man in diesen Häuschen leben könnte. Was für ein Volk wäre das? Wie würden sie leben? Wie würden sie aussehen? Was würden sie essen? Was würden sie den ganzen Tag machen? Und was würde in diesem Dorf passieren? So entstand die grobe Idee zu „Das Dorf unter dem Fußboden“.

Ein Buch zu schreiben ist eine Menge Arbeit. Wie ist es dazu gekommen, dass diese Geschichte den Sprung von einem bloßen Gedanken zu einem Kinderbuch geschafft hat?

Ich habe meinen Job gekündigt. 🙂

Das ist vielleicht etwas, das ich den Leuten nicht unbedingt empfehlen würde, aber für mich war es das einzig Richtige. Ich hatte einen gut bezahlten Job in eine Werbeagentur. Ich machte Zeichentrick-Filmchen für diverse bekannte Marken, die dann in der Werbung eingesetzt wurden. Der Job machte Spaß und die Kollegen als auch der Firmeneigentümer waren sehr nette Leute, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe.

Eines Tages jedoch, es war Montag Morgen, war mir langweilig. Es lang nicht daran, dass ich nichts zu tun gehabt hätte; es gab viel zu tun. Mir war deswegen langweilig, weil ich bereits wusste, wie die fertigen Animationen aussehen würden. Und ich hatte das Gefühl, dass ich viel Kraft und Liebe in etwas stecken würde, dass drei Wochen im Netz verfügbar wäre und dann verschwinden würde. Für immer. An diesem Morgen hatte ich zum ersten Mal Gefühl gehabt, dass dieser Job zu diesem Zeitpunkt nicht mehr das Richtige für mich war. Ich überlegte, zu kündigen.

Wie lange hast du überlegt?

Eine Woche. Am Freitag bin ich zur Geschäftsführung gegangen und habe Bescheid gegeben, dass ich aufhören möchte. Es ist mir sehr schwer gefallen. Normalerweise überlege ich bei großen Entscheidungen nicht so lange.

Danach habe ich begonnen, die Abenteuer-Geschichte „Das Dorf unter dem Fußboden“ zu schreiben.

Was war dein Ansatz beim Schreiben dieses Kinderbuches? Was sind die Werte, die du als Kinderbuchautor vermitteln möchtest?

Ich war als Kind kein großer Leser. Es lag aber nicht daran, dass ich nicht lesen wollte. Es gab einfach keine Geschichten, die mich genug gefesselt hätten, um über hundert oder mehr Seiten interessiert zu bleiben. Ich wollte als Kind Abenteuer-Geschichten lesen, mit überlebensgroßen Helden und gefährlichen Monstern. Ich wollte über Dinge lesen, die wir in unserer Welt nie zu Gesicht bekommen würden. Und ich wollte, dass die Geschichte wunderschöne Zeichnungen enthielt.

Eine Zeit lang habe ich Stephen King gelesen. Doch du kannst dir sicher vorstellen, dass das für einen Achtjährigen nicht unbedingt die geeignetste Literatur ist.

Also war für mich klar, dass ich für den Achtjährigen schreiben würde, der vielleicht nicht so oft liest, aber grundsätzlich gerne lesen würde. Ich wollte eine mitreißende Abenteuergeschichte schreiben, mit vielen Fantasy-Elementen und in der Werte vermittelt wurden, die ich für wichtig erachte: Zusammenhalt, den Mut, für sich selbst einzustehen, und Problemlösungen zu finden, die vielleicht jenseits dessen sind, was im allgemeinen als der einzig richtige Weg angesehen werden. Die Kobolde in der Geschichte reagieren, nach langem Hadern, auf Gewalt nicht mit Gewalt. Sie lösen schlussendlich ihr Problem indem sie sich auf das besinnen, was sie am besten können: basteln und bauen. Und sie lassen sich von anderen helfen.

Das sind die Werte, von denen ich denke, dass sie sehr wichtig sind: Sich auf das zu konzentrieren was man wirklich gut kann und nicht versuchen, alles alleine lösen zu wollen, sondern auch einmal Hilfe, oder einen Ratschlag anzunehmen.

Was haben die Leute davon, wenn sie dein Buch lesen?

„Das Dorf unter dem Fußboden“ ist eindeutig ein Kinderbuch. Ich habe für Buben und Mädchen ab acht oder neun Jahren (zum Selberlesen) geschrieben: Man weiß, wer die Bösen und wer die Guten sind. Ich denke, dass sich ein Kind gut darin zurechtfinden wird. Ich habe aber auch von sehr vielen Erwachsenen erfahren, dass ihnen das Buch sehr viel Spaß gemacht hat.

Ich denke, es liegt daran, dass es dir eine Welt zeigt, in die du wahrscheinlich nie die Gelegenheit haben wirst, sie zu besuchen. Die Geschichte spielt zwar in der Welt der Menschen. Jedoch erleben wir unsere Welt durch die Augen eines kleinen Kobolds. Das ist das, was mich an Büchern, Graphic Novels und Filmen reizt: In eine Welt eintauchen zu können, die ich in Wirklichkeit nie zu Gesicht bekommen würde. Die Realität ist da. Ich sehe sie jeden Tag. Das ist langweilig. Das was man nicht sehen kann, das ist es, was wirklich interessant ist. Und das ist es, was ein Leser, egal ob groß oder klein, bekommt.

Ich habe außerdem von vielen Großmüttern gehört, die das Buch einem oder gleich mehreren Enkeln geschenkt haben. Das Buch ist auch so gestaltet, dass es etwas ist, das man gerne herschenken kann. Es ist nicht zu groß und nicht zu klein, mit schönen Illustrationen in Farbe. Es ist ein Buch, das ich als Kind gerne zu Weihnachten, Ostern oder zum Namenstag bekommen hätte.

Wie haben Kinder bisher auf dein Kinderbuch reagiert?

Nachdem ich eine frühe Version des Buches fertiggeschrieben hatte, gab ich sie u.a. einem Freund von mir; zum Probelesen. Ich war mir nicht sicher, ob die Geschichte gut wäre. Das Manuskript war auf A4 ausgedruckt und die Illustrationen waren gesondert ausgedruckt. Mein Freund erzählte mir dann, dass sich seine beiden Töchter, die fünf und zehn Jahre alt waren, während des Vorlesens immer gestritten haben, wer die Illustrationen halten darf.

Ich hatte einmal eine Lesung in einem Dorf in Niederösterreich. Die Lesung fand letzten Winter statt und wir waren draußen. Es war eisig kalt und das Zelt, in dem die Lesung stattfand, war zu drei Seiten offen, so dass der Wind immer durchsauste. Oh, und plötzlich fing eine Volksmusik-Kapelle an zu spielen. Die sieben Kinder, für die ich vorlegelesen habe, waren allesamt – trotz all der Ablenkungen durch den Weihnachtsmarkt, in dem wir uns befanden, bis zum Ende gebannt. Es war wirklich niedlich.

Bei einer anderen Lesung hat mir die Leiterin der Bibliothek, in der die Lesung stattgefunden hatte, im Anschluss gesagt, dass sie es noch nie erlebt hatte, dass Kinder so lange aufmerksam zugehört haben. Es waren in etwa zwanzig Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren. Und ich habe ihnen 45 Minuten lang vorgelesen. Ich muss gestehen, dass es mir nicht so lange vorgekommen ist. Während des Vorlesens des Kinderbuches habe ich die Kinder immer wieder gefragt, ob ich weiterlesen sollte. Alle zeigten immer auf. Naja, alle bis auf einen etwa zweijährigen Buben, der irgendwo dazwischen herumgepurzelt ist. Aber er war für die Geschichte ohnehin zu klein. J

Von einer Lehrerin habe ich gehört, dass einem zehnjährigen Jungen die Geschichte so sehr gefallen hat, dass er sie in der Klasse präsentieren wollte. Ich wurde zu seiner Buchpräsentation eingeladen und sagte natürlich zu. Die Kinder waren sehr aufgeregt, dass der Kinderbuchautor zur Präsentation kommen würde. Und ich war völlig überrascht zu sehen, dass mitten auf einem Tisch ein selbstgebautes Kobolddorf stand. Mit Häuschen und Stegen. Es waren sogar Seilbrücken dabei, die ein Mädchen aus seiner Klasse eigens für seine Präsentation aus Wolle geknüpft hatte.

Du hast „Das Dorf unter dem Fußboden“ selbst illustriert? Wie kam es dazu?

Ich arbeite seit zwanzig Jahren als Illustrator und mache kurze Zeichentrickfilme. Und ich zeichne seit ich denken kann. Die Frage hat sich für mich nicht gestellt, ob es eine illustrierte Geschichte werden würde, oder nicht. Mich hat als Kind immer geärgert, dass ich nie wissen konnte, ob eine Geschichte interessant war, oder nicht. Ich konnte nicht wissen, ob sie mir gefallen würde. Andererseits wusste ich, dass man ein Buch fertiglesen musste, wenn man es einmal begonnen hatte. Das hat dazu geführt, dass ich sehr, sehr lange fürs Lesen eines Buches gebraucht habe, weil es mich nicht gefesselt hat.

Das wollte ich den Kindern ersparen. Sie werfen einfach einen Blick in „Das Dorf unter dem Fußboden“ und wissen in etwa, was auf sie zukommt. Und dann werden sie neugierig. Was ist das für ein Wesen in der Mitte des Buches? Ist es gut oder böse?

So kann man nicht nur Kinder zum Lesen animieren, die ohnehin gerne lesen, sondern auch jene, die von anderen als „lesefaul“ bezeichnet werden.

Außerdem gehört zeichnen für mich einfach dazu. Es ist wie eine zusätzliche Sprache, die man sprechen kann. Ich kann mich erinnern, dass es für mich als Kind immer sehr enttäuschend gewesen ist, wenn ich erfuhr, dass die meisten Kinderbuchautoren ihre Geschichten nicht selber illustrierten, sondern es jemand anderer für sie tat.

Hat dich deine Erfahrung als Illustrator beim Schreiben des Kinderbuches beeinflusst?

Ich denke schon. Ich habe lange Zeit Storyboards für Kreativdirektoren von Werbeagenturen sowie für Regisseure gemacht.

Nur für diejenigen, die sich jetzt wundern: Ein Storyboard ist eine Abfolge von Bildern, ähnlich einem Comic ohne Text, in dem gezeigt wird, wie ein Werbespot aussehen wird. Es dient dazu, dem Kunden (beispielsweise dem Autohersteller) zu zeigen, wie sein Produkt präsentiert wird (wie groß das Auto zu sehen, wo es ins Bild kommt, wo es das Bild verlässt etc.). Ein Regisseur kann seinem Kameramann damit auch kommunizieren, aus welchen Winkeln er den Werbespot drehen möchte. Es gibt natürlich Unterschiede zwischen Storyboards für Werbekunden und jenen für Filmproduktionen. Bei Storyboards für Werbekunden liegt der Schwerpunkt auf dem „Feeling“ des Spots, während bei Filmproduktionen darauf geachtet werden muss, dass der Werbespot technisch umsetzbar ist.

Fantasy Kinderbuch Das Dorf unter dem Fußboden von John E. Brito

Kinderbuch “Das Dorf unter dem Fußboden”, ab 9 Jahren

Ich schätze, das zwingt einen, in Bildern zu denken. Da ich eigentlich ausgebildeter Bautechniker bin, überlege ich mir bei Geschichten automatisch auch wo welche Dinge liegen. Wie weit ist es von diesem Gebäude zum nächsten? Wie hoch ist dieser Raum? Wie ist die tragende Konstruktion? Funktioniert dieses Gebäude aus statischer Sicht? Und damit eng verbunden sind auch die Fragen, mit welchen Bildern man eine Geschichte am besten erzählt. Dabei handelt es sich nicht immer um Bilder, die man sehen kann, sondern vor allem auch um Bilder, die in unserem Kopf entstehen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ich danke dir.

Falls du mehr zum Fantasy-Kinderbuch „Das Dorf unter dem Fußboden“ erfahren möchtest, findest Du weitere Infos auf Seite zum Buch, oder in John Brito´s Blog.